OFF Biennale Budapest 2015 | Guestblog von Maximilian Lehner

08 Jun OFF Biennale Budapest 2015 | Guestblog von Maximilian Lehner

Was bleibt von einem Besuch der OFF-Biennale in Budapest? Nun, erst einmal der Eindruck eines inspirierenden Konzepts, das der Kunstszene guttut: Ein Team unabhängiger KuratorInnen, keine staatlichen Förderungen oder Institutionen und das Ziel, langfristig die freie Kunstszene Ungarns zu etablieren. OFF wettert nicht gegen die traditionellen Biennalen, sondern möchte sich als eigenständiges Format parallel zu ihnen präsentieren. Leider kommt zur gleichen Zeit die Ernüchterung: OFF bedeutet wohl auch „ausgeknipst“. Viele der Schauplätze werden nicht oder zu anderen Zeiten als auf der (schönen und übersichtlichen) Homepage angekündigt bespielt. Da hilft auch die gedruckte Überblickskarte mit nochmals anderen, nochmals falschen Zeiten nichts.

Was zu erleben ist, versöhnt einen allerdings mit der Biennale: In einem etwas heruntergekommenen Altbau komme ich alleine in eine leerstehende Wohnung. Darin präsentiert das Duo Little Warsaw (András Gálik und Bálint Havas, die auch schon auf der venezianischen Biennale ausgestellt haben) die raumeinnehmende Installation AFFIRMATIVE, bei der alleine schon die alten Tapeten und der Ausblick der Wohnung Eindruck macht. Eigentlich besteht die Installation aber aus farbigen Steinen, Skulpturen und dem Modell eines Schlosses. Das Konzept, das auf das Phänomen Synästhesie Bezug nimmt, bleibt dem Besucher verschlossen. Möglicherweise fehlt das Verständnis für den Ort, die Gebäude… Räumlich bleibt die Arbeit dennoch wunderschön.

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Noch eindringlicher und dichter präsentiert sich Attila Csörgő (auch kein Unbekannter…): CLOCKWORK untersucht Zusammenhänge zwischen Raum und Zeit. Die Skulptur – vereinfacht gesagt – aus einem Uhrwerk, einer Lampe und einem Glaszylinder wirft eine Lemniskate als Schatten: Der am oberen Ende rund abgeschnittene Zylinder bläht als Führung für den Uhrzeiger die Zeit dreidimensional auf. Der Schatten dieser Übersetzung der Zeit in den Raum – Unendlichkeit.

 

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Erfrischend in der Zusammenstellung war die Ausstellung des Grazer „rotor – center for contemporary art“ in der Supermarket Gallery: BLIND SPOTS reflektiert ausgehend von einem paradiesischen Urzustand Mächte, die unser Zusammenleben strukturieren, und ihre Alternativen. Nur vier künstlerische Positionen regen dabei zum Nachdenken an und können dabei durch außergewöhnliche Perspektiven punkten. So sticht PARADISE LOST von dem fiktiven Künstler Lőrinc Borsos (Lilla Lőrinc und János Borsos) durch die Verwendung klassischer Motive hervor, die teilweise verdeckt werden; die gesamte Serie findet sich online: http://borsoslorinc.com/index.php/personal/paradise-lost/. Anna Witt befragte einen österreichischen Polizeivertreter zu künstlerischen und politischen Aktionen im öffentlichen Raum (THE RIGHTS OF THE PAVEMENT). Dieses Interview ist als Ton zu den Bildern der Aktionen geschnitten und bringt einen in seiner Absurdität zum Schmunzeln.

 

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Was bleibt also von der OFF-Biennale? Der Wunsch wiederzukommen. Sich besser auszukennen. Vielleicht auch, der Wunsch nach einem liebevolleren Umgang mit manchen Projekten wie AGAINST ANONYMITY, das als Secondhand-Shop mit Geschichten über die Eigentümer im letzten Eck eines Frisörsalons leider nur fehl am Platz wirkte. Genauso aber auch der Wunsch nach einer Ausweitung von Ausstellungen in Leerständen, Privathäusern und im öffentlichen Raum. Und zum Abschluss bleibt auch der Hinweis auf Rudolf Pacsika und seine Rollstuhl-Installation (http://pacsika.blogspot.hu), neben der man sich am Spielautomaten noch seine willkürliche Verschwörungstheorie kreieren kann. Diese Lockerheit passt besser zum Gesamtkonzept als einige Gallerien, die ebenso an der Biennale teilnehmen, aber so gar nicht in die schöne Idee von OFF passen wollen. Sie bleiben ON und möchten das wohl auch gerne weiterhin sein. OFF soll aber OFF bleiben, dann kommen wir gerne wieder.

 

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