Kunst als Beteiligungsprojekt / Guestblog von Kuratorin Veronika Kitzmüller

21 Feb Kunst als Beteiligungsprojekt / Guestblog von Kuratorin Veronika Kitzmüller

Markus Hofer, WOLKE, 2014 / Kunstdialog St. Magdalena: Künstler teilen sich mit / 14.9. – 23.11.2014

Wolken schweben oft wie losgelöst vor dem Himmel, lasten oder ziehen, sind nicht greifbar und auch gedanklich nur sehr komplex definierbar. Der Grund für die schwere Fassbarkeit liegt in der ständigen Verwandlung und Bewegung dieser Dunstgebilde. Sie sind flüchtig und verkörpern dadurch die Zeit. Durch ihre Schwerelosigkeit und Unbeständigkeit haben Wolken die Phantasie unzähliger KünstlerInnen angeregt. Für die Leihgabe WOLKE hat der Künstler Markus Hofer sich die Aufgabe gestellt, diese Unbeständigkeit in der Pfarrkirche Linz-St. Magdalena mit einem beständigen Material einzufangen. Das Hauptbild der Kirche mit der Darstellung der Beweinung Christi  und dem reich verzierten Rahmen aus Blattgirlanden und Akanthus kam 1693 im Zuge der barocken Ausstattung aus der alten Stiftskirche Garsten nach St. Magdalena und bot als Anregung eine gemalte Wolke.  Die Apotheose, die Überwindung des irdischen Lebens und die Aufnahme in den transzendenten Raum, gehört zu den Leitthemen des Barock. Die Wolken visualisieren den entfernten Himmel und verleihen diesem abstrakten Thema Anschaulichkeit, indem sie den Figuren als Sitz dienen. Zugleich wird zu dieser Zeit auch das malerische Potential in den Wolken entdeckt. Die großartigsten Beispiele des barocken Kirchenbaus sind aber dort zu erleben, wo der Baumeister zugleich Bildhauer und Maler war oder zumindest die Programmatik der inhaltlichen Gestaltung bis hin zum Lichteinfall festlegte.  In Anlehnung an diese Programmatik hat der Bildhauer Markus Hofer eine Wolke aus Tellern geschaffen, die sich je nach Lichteinfall, Beleuchtung und Blickwinkel verändert. Für diese temporäre Installation wurde die Pfarrbevölkerung eingeladen, aus ihren Haushalten weiße Teller zu bringen. Die 150 gebrachten Teller fügte er mit Hilfe einer Holzkonstruktion zu einem Wolkengebilde zusammen, das in der Mitte die Öffnung zum Tabernakel frei ließ. Sie wurden so zum Ausgangsmaterial für ein komplexes Gebilde, das für die Menschen der Pfarre auch als Identifikationsobjekt dienen sollte. In seiner dynamischen Gestaltung fügte sich das Wolkengebilde von Markus Hofer so am Hochaltartisch und um den Tabernakel ein, dass manche meinten, es solle für längere Zeit an diesem Ort bleiben. Vor allem aber regte es viele Kirchenbesucher dazu an, über künstlerische Eingriffe in Kirchen nachzudenken und diesbezüglich in Dialog zu treten.

(Der Kunstdialog St. Magdalena thematisiert mit zeitgenössischer Kunst im liturgischen Raum Fragen zum Leben und zum Glauben. In Zusammenarbeit der Pfarre und dem Künstler Markus Hofer mit dem Kunstreferat der Diözese Linz war dies die erste temporäre Leihgabe. Kuratorin: Pfarrassistentin Veronika Kitzmüller / Foto: Claus Kusmitsch)