Interview mit Stefan Brunnbauer

22 Mai Interview mit Stefan Brunnbauer

Stefan Brunnbauer ist Modedesigner in London. Der aus Oberösterreich stammende Künstler schafft moderne, schlichte und klare Designs, die von einer stark künstlerischen Ästhetik leben. In einem Interview mit Jasmin Leonhartsberger erzählt er über sein aktuelles Leben als Designer in London, seine Arbeit und die Inspiration durch den amerikanischen Künstler Mark Bradford.

 

Stefan Brunnbauer

Stefan Brunnbauer

Lieber Stefan, du bist geborener Oberösterreicher, hast die Modeschule in Linz besucht und arbeitest nun schon seit längerer Zeit als Modedesigner in London. Wie hat sich dein Verständnis von Mode seit deiner Schulzeit und Jugend verändert, dadurch dass du nach London gegangen und selbst ein Teil der Modeszene geworden bist?

Ich arbeite seit mehr als 15 Jahren für internationale Luxus-Modelabels. Ich habe in Mailand bei CoSTUME NATIONAL als Modedesigner angefangen und seitdem hat sich die Branche an sich sehr verändert.
Die ökonomische Seite wird immer wichtiger, man muss verkaufen. Alle großen Labels werden von größeren Geschäftsgruppen aufgekauft. Als Independent-Label ist es sehr schwer zu überleben.
Seit ich Teil der Branche bin habe ich mich kreativ, aber auch im Geschäftlichen sehr weiterentwickelt und zu verstehen gelernt, dass Luxus-Mode ein sehr hartes Business ist, das man ohne Leidenschaft nicht machen kann. Man investiert sehr viel von seiner Freizeit und es ist definitiv kein 9-to-5-Job. Wenn man mit Leidenschaft dabei ist, macht das aber nichts und man sieht nur unendliche Möglichkeiten!

 

Du bist Fan des amerikanischen Künstlers Mark Bradford. Er wird heuer den USA-Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielen. Mit seinen kleinteiligen, bunten, pixelartigen Bildern hat er eine besondere Formensprache entwickelt, die sich wiederum von deiner, die stark mit der Ästhetik der Farbe Schwarz spielt, unterscheidet. Was gefällt dir besonders an Bradford und welche Rolle spielt er für dein Schaffen?

Ich bin ein großer Mark-Bradford-Fan. Ich liebe die Sensibilität und Modernität seiner Collagen, wie er Farben und Kontraste verwendet.
Seine Kunstwerke sind abwechslungsreich, kreativ und er arbeitet mit verschiedensten Medien, Collagen, Videos, Installationen und Skulpturen. Er kreiert abwechslungsreich und vielfältig, seine Werke sind modern, authentisch und inspirierend.
In meiner Arbeit spielt Kunst eine wichtige Rolle. Man muss ständig neu inspiriert werden und Mark Bradford ist ein Künstler, der mich immer wieder inspiriert. Er hat eine einzigartige Sensibilität, die mich sehr anspricht. Eine meiner Lieblingsformen von Kreativität ist die Collage – sei es mit Papier, Stoffen oder Klamotten.
Collagen haben etwas sehr Rebellisches, Schönes und Handgemachtes. Die Idee von ‘Deconstructed/Reconstructed’ erinnert an Recycling, DIY, Punk, Rock, Popkultur aber auch Underground und Modernität.
Es ist aufregend, bestehende Segmente auseinanderzureißen und zu dekonstruieren, um sie dann wieder zusammenzufügen und zu neuen Formen zu verändern. In meiner Arbeit verwende ich gerne klassische Elemente in unkonventioneller Form, um Neues zu schaffen – dasselbe Prinzip, das Mark Bradford bei vielen seiner Kunstwerke verwendet.

 

Ein zurzeit heiß diskutiertes Thema ist der anstehende Brexit. Wie empfindest du dieses Thema als in London lebender Österreicher und wie betrifft es dich persönlich?

Im Moment sind die Auswirkungen des Brexit noch sehr unklar, da auch die britische Regierung noch keine konkreten Details verhandelt hat.
Ich lebe seit mehr als 10 Jahren in London und zahle hier meine Steuern. Es ist traurig, dass England für den Austritt aus der EU gestimmt hat.
London ist eine kleine, eigene multikulturelle Blase in England und hier hat die Mehrheit ‘Remain’ gewählt. Daher sind viele Menschen frustriert, niemand weiß, welche konkreten Auswirkungen der Brexit wirklich haben wird.
Die ‘Remain’-Kampagne hatte leider keine passionierten Sprecher. Alles war sehr negativ und wurde mehr und mehr zu einer Hasskampagne. Die positiven Auswirkungen eines in der EU lebenden Bürgers wurden leider nicht klar vermittelt. Liebe und Leidenschaft fehlten.

Folgen Sie Stefan Brunnbauer unter: https://www.instagram.com/stefan_brunnbauer/

 

Das Interview führte Jasmin Leonhartsberger mit Stefan Brunnbauer in elektronischer Form.