Drei Dinge in Dortmund

"Thingness" von Nina Nowak und Gaby Peters im Künstlerhaus Dortmund

03 Nov Drei Dinge in Dortmund

EINS

Till Nowaks „Centrifuge Brain Project“ war bereits in der Pariser Ausstellung „art robotique“, die 2014 in der Cité des sciences et de l’industrie mitten unter lauter Technik- und Wissenschaftspräsentationen ein nettes Kunst-Gegengewicht bot. Die Inszenierung Nowaks von dem alten Professor, der sich mit den Auswirkungen, wenn man extremer Fliehkraft ausgesetzt ist beschäftigt, und dabei einfach unglaublich verrückte Fahrgeschäfte für Vergnügungsparks produziert, sollte sich jede ansehen, die es noch nicht kennt. Die Handycam-Optik verunsichert dabei fast jeden und lässt rätseln, ob der verrückte Künstler diese waghalsigen Konstruktionen womöglich wirklich irgendwo aufgebaut oder gar ausprobiert hat…

The Centrifuge Brain Project from Till Nowak on Vimeo.

 

ZWEI

Man steigt eine Treppe hinunter. Nur ein Schild an der Seite mit der Beschriftung des Kunstwerks und ein Pfeil mit Ausstellungstitel und motivierendem „Unten geht’s weiter!“ (oder so ähnlich) lassen einen daran glauben, dass man auf der schmalen Treppe gen Keller richtig ist. Man findet sich im dunklen Heizkeller wieder oder was auch immer das mal war. Ebenso stehe ich aber inmitten der 3-Kanal-Videoinstallation von Christine Overvad Hansen. Sie beginnt mit einem Objekt auf einem Bett, das Ding erinnert irgendwie an ein Pendel, ist aber an einen Kompressor gekoppelt, der eine Hydraulik antreibt. Diese baut Spannung auf, bis am Ende die Kugel in Richtung Bettende schießt. Weniger erotische Spannung baut die zweite „Bewohnerin“ der Wohnung auf: ein Kettenaufzug in einer Dusche, der immer nur ein Objekt an sich hochzieht, welches daraufhin am anderen Ende der Kette wieder hinunterrasselt. Der dritte Erzählstrang in der Wohnung zeigt eine Frau, die ihre Zimmerlampe über einen Seilzug zur Straßenbeleuchtung macht und die Mechanik als Erweiterung oder Flucht vor dem Innenraum nutzt.

DREI

In „Körper 2.0“ beschäftigt sich Lea Gulditte Hestellund mit dem Ideal des männlichen Körpers – der Discobolus, der in der griechischen Antike in Marmor gemeißelt wurde. Sie selbst formte sich mit Hilfe eines Personal Trainers auf dieses Ideal hin – nutzte ihren Körper als beliebige Form, die sie neu gießen konnte, unabhängig von geschlechtlicher Prägung. Sie fragt damit nach der Definition von biologischem Geschlecht, von Körperlichkeit und Selbstbild. Die Installation zeigt diese Arbeit nur in Form eines kleinen Selbstporträts, daneben die Objekte, mit denen die Verformung zustande kam.

 

Zu diesen drei Dingen kommt noch freundliches Personal im Künstlerhaus. Noch viele andere wunderbare Exponate. Der toll gestaltete und befüllte Katalog, den ich bestimmt noch oft zur Hand nehmen werde. Zur Ausstellung wurden auch vier Theoretiker*innen eingeladen, die die Thematik mit Texten aus kunsthistorischer und philosophischer Perspektive beleuchten. Da droht man fast Dortmund-Fan zu werden. Zumindest vom Künstlerhaus.

Die Ausstellung „Thingness“ läuft noch bis 13. November im Künstlerhaus Dortmund!