DIE KUNST DER VERMESSUNG

03 Dez DIE KUNST DER VERMESSUNG

Zur Verleihung des Dagmar Chobot Skulpturenpreises an Roman Pfeffer

Das Kellergeschoss des Leopold Museums ist zum wiederholten Male Gastgeber der Feierlichkeit zur Verleihung des Dagmar Chobot Skulpturenpreises. Hier wird mit Sekt empfangen, bevor mit Vorstellungsvideos und lobenden Reden die Übergabe stattfindet.

Roman Pfeffer, der diesjährige Gewinner setzte sich gegen eine beachtliche Konkurrenz durch, unter  den Nominierten waren unter anderem die gerade sehr präsente Barbara Kapusta,  Azra Akšamija oder auch Judith Fegerl.

In Pfeffers Werk geht es um Austauschprozesse und Relationen. Er schätzt es, Gegenständliches zu Bestandteilen zerlegen und wie ein Philosoph die Parameter des Gegebenen zu hinterfragen und auf ungewohnte Weise auszuleuchten. Dabei spielt er mit den Betrachterinnen und Betrachtern, nähert sich dem gewohnt Banalen neu, zerschneidet und verzerrt ins Surreale und schubst uns ein bisschen, listig und humorvoll, hin zum Nachzudenken. Etwa über Selbstverständliches, welches im Allgemeinen in den Hintergrund tritt und kaum unsere Aufmerksamkeit erregt. Dieses Thematisieren und Transformieren ist genau genommen eine Arbeit der Dekonstruktion.

Die Arbeit, welche Pfeffer hier vorstellt wird heißt auch  „Helix Deconstructor“ (2016), und war dereinst ein 17,5 m langes  Sportruderboot, welches aus dem Wasser genommen, einem anderen Medium übergeben und schließlich zu einer eigensinnigen Monumentalskulptur wird, in der die zersägten Abschnitte eine spiralförmige Wendung  vollziehen.

Bei aller Betonung des Konzeptuellen bleiben die Arbeiten etwas haptisch Erfahrbares und Handwerksbezogenes. Skulptur vermag auch abseits traditioneller Konzeptionen  zu begeistern, sie setzt uns direkt und körperlich in Bezug, erinnert an die eigene Verwachsenheit mit dem Umraum und den darin herrschenden Verhältnissen.

Chobots Stiftung ist der einzige Preis seiner Art für Skulptur in Österreich, er versteht sich weder als Stipendium noch als ehrwürdige Auszeichnung, sondern will Anerkennung zum Ausdruck bringen.  Dass die damit verbundene Finanzspritze ein wichtiger Bestandteil dieser Zeremonie ist, spricht Dagmar Chobot, selbst auf der Bühne stehend, sehr direkt aus. Nachdem staatliche Förderungen über Jahrzehnte hin weggebrochen sind, gäbe es kaum Sicherheiten für Kunstschaffende, schließlich haben diese auch häufig familiäre monetäre Bedürfnisse. Es ist zugleich schön, dass es Privatpersonen wie Chobot gibt und furchtbar, dass es ihrer bedarf, um einen lokalen Fortbestand dieser Kunstform zu sichern.

Aktuelle Arbeiten von Roman Pfeffer waren bis 25. Oktober 2018 in der Gruppenausstellung „Vorvorgestern“im Rahmen von curated by in der Galerie Raum mit Licht, Kaiserstraße 32,
Wien 7 sowie bis 10. November 2018 unter dem Titel „(In)constancy of
space” im Museum of Fine Arts, Osijek (HR) zu sehen.

Text: Sophie Anna Stadler