DON´T SAY VAGINA

29 Dez DON´T SAY VAGINA

Georgia O´Keeffe im Bank Austria Kunstforum

Nach einer verwirrenden Rede über Osteuropa und Onlineshops, die ohne Zweifel an die goldbereifte, hochtoupierte und stetig telefonierende Geldgeberschaft gerichtet ist und mich deshalb überhaupt nicht betrifft, wird Georgia O´Keeffe vorgestellt, als eine Art Amelia Earhart der modernen Kunst, ihr Werk beschrieben mit den obligatorischen Gegensatzpaaren, wie „zwischen Statik und Bewegung“ oder „Abstraktion und Gegenständlichkeit“. Ich lerne dass sie mit ihrem Auto allein durch die Wüste fuhr und es niemanden gibt der mehr mit Moderne und Amerika in Verbindung gebracht wird als sie (…). Ein Streichquartett spielt zwei wunderschöne Stücke die in mir eine Sehnsucht wecken sofort auch in die Wüste zu ziehen und ein fragwürdiges „Just like a woman“ cover. Dann kommt endlich Barbara Frischmuth und wird handgreiflich, aber nur im Text, der sich ganz auf die Choreografie der Hände der Malerin bezieht und obwohl es dabei eigentlich um Alfred Stieglitz Werk geht und O´Keeffe´s Körper, ist es der angenehmste Text des Abends.

Die Ausstellung beginnt mit grauen Malereien – präzisen Ansichten von New York City´s Straßenschluchten und Wolkenkratzern – die mich persönlich nicht begeistern (sorry Georgia)- sowie einigen bläulichen Aquarellen und Stillleben. Sobald man die „Lake George Phase“ betritt ändert sich das zugunsten abstrahierter Straßenverläufe und Sturmwogen in blau-grün-schwarz und, ein wenig erhöht, …..das erste Bild das mich so richtig in den Bann zieht, weil ich mir einbilde es hören zu können. Im nächsten Raum hängt dann auch „Music- Pink and Blue, No1“ das an Seide denken lässt oder vielleicht auch an nichts was ich kenne.

Im „Blumenzimmer“, inmitten sich auffaltender Blätter und Staubgefäße in kräftigen Farben, ist „Jimson Weed/ White Flower No.1“ zu sehen, das Aushängeschild der Schau, eine einzige große Blüte in weiß die sich öffnet für ihr Publikum. O´Keeffe wehrte sich zeitlebens gegen die sexualisierenden Interpretationen ihrer Blütenbilder, und tatsächlich sind die hier vertretenen Exemplare wenig explizit sondern haben eher etwas wie Allüre: gar nicht unerotisch aber eben geheimnisvoll.

O´Keeffe lässt sich wunderbar inszenieren: in den Bildern von Alfred Stieglitz, die sie im weißen Nachthemd mit erhobenen Armen gegen eine Tür gelehnt, androgyn in Hut und Hose zeigen, oder Ausschnitte ihres Körpers – häufig die Hände – fokussieren (looking at you, Robert Mapplethorpe), als feministische Ikone oder naturverbundene Knochensammlerin. Aber einmal abgesehen vom Mythos O´Keeffe, beschert einem ihr Werk immer wieder besondere Momente. Manche Bilder klingen wenn man sie ansieht, andere scheinen sich zu öffnen, Hügel werden filetiert wie Fleisch und selbst die toten knöchernen Überreste von Tieren halten das Potenzial lebendig zu werden.

Es ist dann auch eher die körperliche Erfahrung als eine spezifisch weibliche, die flirrender Hitze oder Kühle versprechender Türen, die einen Sog entwickeln, das Gefühl von Weite und einem flachen Land wie unter dem Meer. Ich empfehle sich Zeit zu nehmen und sich verführen zu lassen – dazu etwas ganz eigenes zu tun, einem Impuls zu folgen ohne Verzögerung. Und sollte dabei ein Trip in die Wüste zustande kommen – sign me in.