At First Just Ghostly

13 Mrz At First Just Ghostly

Axel Hütte in der Kunsthalle Krems

Der erste Raum ist gleich der schönste: durch die Decke fällt gleichmäßiges Licht auf die Landschaftsbilder, zentral der berühmte „Furkablick“, Gletscher, Berge im Nebel. Die großformatigen Fotografien Axel Hüttes sind konzipiert für die Wand, mit viel Aufmerksamkeit auf das Verhältnis von Fläche und Tiefe, entrückt und menschenleer. Was kurze Erinnerungen an romantische Rückenfiguren hervorruft, lässt einen doch eher abgleiten in leere und mögliche Räume. Man kann sich nicht recht verorten in der Perspektive, auch nicht im abwesenden Narrativ, es bleibt sich klein zu fühlen vor der Natur.

Darauf folgen zwei Porträtserien, einmal schwarz weiß, mit Unschärfe spielend, Künstlerkollegen aus den USA, dann eine fast poppig wirkende Sammlung der Düsseldorfer Szene der späten Siebziger, alles frontale Headshots ausdrucksloser Gesichter, die mit dem farbigen Hintergrund eine Symbiose eingehen.

Sattes Dunkelgrün wie aus Jagdszenen beherrscht die Wasserspiegelungen, Aufnahmen von Weihern und Seen, die einen fast filmischen Überblendungseffekt erzeugen. Vor allem in den Architekturfotografien werden Assoziationen an Bühne und Inszenierungsraum wach, strahlend weiße Säulen vor sattem Blau erinnern an Dario Argento´s Suspiria, eine silbrige Glasplatte auf der sich das Hotel Sacher auflöst, barocke Symmetrien wie aus Letztes Jahr in Marienbad. Die Werkserie die extra für die Kunsthalle angefertigt wurde ist vielleicht am nächsten verwandt mit den Landschaften: Zonen der Stille, in denen die Zeit angehalten wird.

Man könnte das Ganze auch unpolitisch schön finden, aber der Fotografie ist eine doppelbödige Zeugenschaft eigen: einerseits erzählt sie von tatsächlichen Orten und der Anwesenheit des Künstlers, andererseits ist sie ausschnitthaft und inszeniert, es gehen ihr eine Unzahl an Entscheidungen voraus. Und an Zufällen. Handelt es sich um Erinnerungen oder Imaginationen? Die Inszenierung menschenleerer Räume hat etwas konservatorisches, es wohnt ihr ein latenter Wunsch nach Bewahrung inne, ein Gefühl für einen fragilen Moment. Das ist nötig um etwas wie die Vorahnung der vielen Menschen die die geisterhaften Berliner U-Bahnstationen überfluten werden, sobald es Morgen wird, auf einem Foto festzuhalten.

Zum Schluss ein wenig eitle Video-Installationen, Schnee auf Bäumen zu Phillip Glass ist vielleicht ein Bisschen too much. Der letzte Raum spielt wieder mit barocken Spiegelgewohnheiten: die Wände werfen die Projektionen in endlosen Wiederholungen zurück. So hat man auch ein wenig Show, sollten einem die meditativen Bilder zu viel werden.

Man muss sich vielleicht vergegenwärtigen, dass die Position der Fotografie seit den frühen siebziger Jahren mehr als nur einen Wandel durchgemacht hat. Hütte begann zu einer Zeit als deren Kunstcharakter zur Debatte stand und bewegt sich heute in einer Phase der Bilderflut, in der es möglich ist derart viele Bilder zu produzieren, dass sie zum Wegwerfmedium wird. Mit Blick auf das bevorstehende Donaufestival steht hier auch ein spannender Kontrast, zwischen analoger Altmeisterlichkeit und digitalem Trash, zu erwarten. Wer sich nach einem Zufluchtsort sehnt ist in der Kunsthalle richtig.