Andy Hope 1930 – UNappropriated Activities / Guestblog von Morgenstern

26 Feb Andy Hope 1930 – UNappropriated Activities / Guestblog von Morgenstern

Andy Hope 1930 – UNappropriated Activities

Galerie Hauser & Wirth, Zürich, 24.01.2015 – 14.03.2015

Die Galerie Hauser & Wirth in Zürich präsentiert aktuell neue Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen von Andy Hope 1930. Die Ausstellung, welche den Titel ‘UNappropriated Activities‘ trägt, zeigt kosmische Phänomene, Superhelden, Comicfiguren, Selbstporträts sowie Werke, die an den Konstruktivismus, Suprematismus und die abstrakte Kunst des 20. Jahrhunderts erinnern.

Der Künstler Andreas Hofer wurde 1963 in München geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Seit Ende der 1990er Jahre signiert er seine Werke überwiegend mit ‘Andy Hope 1930‘ (häufig mit dem Wiederkreuz-Symbol nachgestellt), seit 2010 nennt er sich ausschließlich so. Er verwendet auf seinen Werken unterschiedliche Signaturen, diese sind aber nicht Pseudonyme, sondern Alter Egos, welche wissentlich zwischen ihn und seine Arbeit gestellt werden (z.B. “New Spiritual Guides (NSG), “Lord of Illusions“, “Psychic Alchemy“, “Nova Dreamer“). Das Jahr 1930 hat er gewählt, weil er es mit dem russischen Konstruktivismus und mit dem Ende bedeutender Entwicklungen in der Kunst der Moderne in Verbindung bringt. Er hat sich deshalb auf ein Datum festgelegt, weil er den Namen Andy Hope in eine Welt ohne Zeit übertragen will, er versucht auf diese Weise zu erreichen, dass die Zeit stillsteht.

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Andy Hope 1930, Hall of Last Hour, 2004, Privatsammlung © Andy Hope 1930, Berlin.

Die Inspirationsquellen für seine Werke sind u.a. Comics, Western und Science Fiction. Seine skurrilen Figuren wirken zum Teil wie satanische Gestalten, Figuren aus der Mythologie, Dämonen oder außerirdische Wesen aus einer anderen Galaxie. Sie scheinen als Superhelden Comics entsprungen oder als Cowboys einem Western entlehnt zu sein. Diese Fantasiefiguren bewegen sich in seinen Werken in einer Welt, die im Hinblick auf Kunst und Architektur eindeutige Parallelen zum dritten Reich aufweist. In seiner Kunst verwendet Andy Hope 1930 unterschiedlichste Medien: Malerei, Zeichnung, Collage, Skulptur, Video, Computerprints, Installationen.

 Besucht man die Ausstellung bei Hauser & Wirth so fällt zunächst auf, dass sehr viele abstrakte und wenige figurative Werke gezeigt werden. Überraschenderweise sind einige überzeugende Selbstporträts dabei, was in Andy Hopes 1930 Werk eine noch relative junge Erscheinung ist. Besonders interessant sind hierbei die Werke ‘U for Untold (three-way conversation)‘ und ‘Alter Ego‘. Im erstgenannten Werk stellt Andy Hope 1930 sich selbst drei Mal dar, es handelt sich also um eine Art multiples Selbstporträt. Die Szene ist über den Wolken im Himmel angesiedelt. Andy zeigt sich in dreifacher Ausführung als Engel und unterhält sich mit seinen Alter Egos. Farblich ist das Bild überwiegend in Blau- und Weißtönen gehalten. Im zweitgenannten Werk ist Andy Hope 1930, der sich in diesem Bild mit seiner bevorzugten Kopfbedeckung, der Baseballkappe, darstellt, gemeinsam mit seinem ‘Alter Ego‘, einem kleinen dämonenartigen Wesen in der Uniform eines Zirkusdirektors, zu sehen. Das eigenartige Wesen zeigt mit seinem Zeigefinger auf den blassen Andy Hope 1930 neben sich.

HOFEA66129Andy Hope 1930, U for Untold (three-way conversation), 2014, acrylic on canvas, © Andy Hope 1930, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Roman März.

HOFEA66131 Andy Hope 1930, Alter Ego, 2014, acrylic on canvas, © Andy Hope 1930, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Roman März.

Unter den abstrakten Werken findet sich die Werkreihe ‘Infinity Crisis‘, die einerseits stark an Malewitsch erinnert, andererseits aber an das Ende eines schlechten Horror-Films bzw. – bildlich gesprochen – an eine Reihe von ellipsenförmigen extragalaktischen schwarzen Löchern. Dargestellt ist ein ovaler schwarzer Kreis auf silbernem oder goldenem monochromen Hintergrund, der am Rand ausfranst. Die schwarze Farbe wirkt am Rand pudrig verwischt.

AH_HWZ15_InstallationView_07Von vorne beginnend: Andy Hope 1930, Infinity Crisis 5 (lacquer on canvas), Infinity Crisis 4 (lacquer, effect spray on canvas) und Infinity Crisis 3 (lacquer, acrylic on board), alle 2014 (Installationsansicht) © Andy Hope 1930, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Stephan Altenburger Photography Zürich.

Auch ist eine Serie von Bildern ausgestellt, die als Motive Sterne und die Sonne trägt. Beim Betrachten hat man das Gefühl als würde man von Andy Hope 1930 in eine andere Welt, eine andere Galaxie entführt werden (‘Ullus‘, ‘Unus‘, ‘Solus‘, ‘Nullus‘). Bei mehreren Werken spielt Andy Hope mit der schon im Titel der Ausstellung enthaltenen Silbe ‘UN‘. So zum Beispiel beim Werk ‘U for Unemployed‘ (ockerfarbener ovaler Kreis mit einem blau unterlegten gelben U) oder ‘U for Uncalled‘ (in dem Andy Hope 1930 sich selbst als Superheld oder möglicherweise auch Antiheld stilisiert) und ‘U for Untold‘. Durch den Zusatz der Silbe ‘UN‘ im Titel soll das künstlerische Verfahren der Aneignung, welches typisch für die Kunstrichtung der ‘Appropriation Art‘ ist, ins Gegenteil verkehrt und umgedreht werden.

HOFEA66238_300dpi    Andy Hope 1930, Star Series Group: Ullus, Unus, Solus and Nullus, 2014, lacquer, acrylic on canvas, © Andy Hope 1930, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Stephan Altenburger Photography Zürich.

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Andy Hope 1930, U for Unemployed, 2014, acrylic on pleather, © Andy Hope 1930, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Roman März.

HOFEA66133_300dpi   Andy Hope 1930, U for Uncalled, 2014 © Hauser & Wirth, Zürich, Andy Hope 1930, Berlin. photo: Roman März.

In ein paar Werken nimmt Andy Hope 1930 auf die prekäre Situation der heutigen Arbeits- und Lebensverhältnisse Bezug. So zeigt er z.B. in ‘AS AN AM AND U‘ einen gefallenen Superhelden, der den Buchstaben ‘U‘ auf der Brust trägt, welcher vermutlich für ‘unemployed’ steht, und somit zum gesellschaftlich ausgestoßenen Antihelden wird. In einem der Selbstporträts zeigt sich Andy Hope als ‘Master of Degree‘, der sein Abschlusszertifikat mit festem Griff umklammert hält und verbittert, aber dennoch entschlossen dreinblickt. Zugehörig zu diesem Werk ist ‘Need Experience for Job / Need Job for Experience‘. Damit wird ein aktuelles weit verbreitetes Problem thematisiert, mit dem sich viele Hochschulabsolventen konfrontiert sehen: für die meisten Jobs ist Arbeitserfahrung erforderlich, doch irgendwo muss diese auch gesammelt werden.

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       Andy Hope 1930, AS AN AM AND U, 2014, acrylic on canvas, © Andy Hope 1930, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Roman März.

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   Andy Hope 1930, Master of Degree, 2014, acrylic on canvas, © Andy Hope 1930, Courtesy the artist and Hauser & Wirth, photo: Roman März.

HOFEA66257_300dpiAndy Hope 1930, Need Experience for Job / Need Job for Experience, 2014 © Hauser & Wirth, Zürich, Andy Hope 1930, Berlin. photo: Roman März.

Die Ausstellung ist noch bis 14. März bei Hauser & Wirth in Zürich zu sehen.

 

 

Verwendete Literatur:

Barbara Fischer, ‘Andy Hope 1930‘ in: ‘Künstler – Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst‘, Ausgabe 93, Heft 4, München 2011

(online: https://www.zeitkunstverlag.de/wp-content/uploads/wpsc/downloadables/kuenstler-2011-03-093-hope-1930-andy.pdf);

Presseinformation der Galerie Hauser & Wirth in Zürich zur Ausstellung

(online: http://cloud.hauserwirth.com/documents/B9AZX236i511E0Eot0EtsRk0T2Y6v9Y20lkgeC2gr097HUhwjm/ah1930_hwz2015_ptxt_de1-wp3uwP.pdf)